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4. Konfiguration des seriellen Ports

4.1 Überblick über die Konfiguration

In vielen Fällen wird die Konfiguration automatisch passieren und Sie selbst müssen gar nichts tun. Aber manchmal müssen Sie etwas einstellen oder Sie möchten die aktuellen Einstellungen feststellen. In diesem Fall müssen Sie mit den beiden Teilen der Konfiguration des seriellen Ports unter Linux vertraut sein:

Der erste Teil (Low-Level-Konfiguration) weist dem Port eine I/O-Adresse, einen IRQ und einen Namen (z.B. ttyS2) zu. Die I/O-Adresse und der IRQ müssen sowohl in der Hardware eingestellt als auch dem Gerätetreiber mitgeteilt werden. Im Folgenden werden wir dies kurz als »io-irq«-Konfiguration bezeichnen. Der setserial-Befehl wird verwendet, um die Werte dem Gerätetreiber mitzuteilen. Über PnP, Jumper usw. werden die Hardware-Einstellungen festgelegt. Die Einzelheiten hierzu werden später beschrieben. Wenn Sie diese Werte einstellen müssen, aber einige wichtige Details nicht verstehen, können Sie leicht in Schwierigkeiten geraten.

Der zweite Teil (High-Level-Konfiguration) weist dem Port eine Geschwindigkeit (z.B. 38,4 kBit/s) zu, schaltet die Flusskontrolle ein usw. Dies wird häufig von Kommunikationsprogrammen wie z.B. pppd, minicom oder getty übernommen. Diese High-Level-Konfiguration kann auch mithilfe des stty-Befehls durchgeführt werden. stty ist auch nützlich, um den momentanen Status zu ermitteln, falls Probleme auftreten oder das Terminal-Interface auf den Normalzustand zurückzusetzen, indem Sie z.B.

stty sane

eingeben.Siehe auch den Abschnitt »Stty« im Serial HOWTO. Wenn Linux gestartet wird, so versucht das System herauszufinden, welche seriellen Ports existieren und für diese Ports wird eine Low-Level-Konfiguration durchgeführt. Was genau passiert, hängt vom BIOS, der Hardware, der Linux Distribution usw. ab. Wenn die serielle Schnittstelle funktioniert, gibt es für Sie evtl. keinen Grund, irgend etwas zu konfigurieren. Anwendungsprogramme führen die High-Level-Konfiguration oft selbständig durch, aber Sie müssen eventuell zuvor einige Informationen eingeben, um dies zu ermöglichen. Mit seriellen PnP-Ports, wie sie oft in internen Modems enthalten sind, ist die Situation noch komplexer geworden. In folgenden Fällen müssen Sie eine Low-Level-Konfiguration durchführen (d.h. IRQ und I/O-Adresse einstellen):

Ab der Kernelversion 2.2 können Sie mehr als zwei serielle Ports verwenden, ohne eine Low-Level-Konfiguration durchführen zu müssen, indem mehrere serielle Ports sich einen Interrupt teilen (Interrupt Sharing). Aber dies muss nicht einfacher sein als die Low-Level-Konfiguration. Siehe auch Gemeinsame Verwendung von Interrupts ab Kernel 2.2.

Die Low-Level-Konfiguration (d.h. das Einstellen des IRQ und der I/O-Adresse) verursacht offensichtlich mehr Probleme als die High-Level-Konfiguration, obwohl sie meist automatisch abläuft, ohne dass man etwas tun müßte. Deshalb beschäftigt sich der überwiegende Teil dieses Abschnitts mit diesem Thema. Der serielle Port wird u.U. überhaupt nicht funktionieren, solange der Gerätetreiber nicht die richtigen Werte für den IRQ und die I/O-Adresse weiß. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er nichteinmal von Linux gefunden wird. Selbst wenn der Port gefunden wird, kann es sein, dass er nur sehr langsam arbeitet, falls der IRQ falsch eingestellt ist. Siehe auch Text erscheint auf dem Bildschirm nur langsam und nach langen Wartezeiten.

In der Wintel-Welt werden die I/O-Adresse und der IRQ als »Ressourcen« bezeichnet, daher konfigurieren wir bestimmte Ressourcen. Zur Wiederholung: die Low-Level-Konfiguration besteht daraus, zwei Werte (für den IRQ und die I/O-Adresse) an zwei Orten abzulegen:

  1. im Gerätetreiber (häufig, indem beim Booten der setserial-Befehl ausgeführt wird
  2. in den Registern der Hardware des seriellen Ports

Zur Kontrolle können Sie die Meldungen verfolgen, die während des Bootvorgangs am Bildschirm ausgegeben werden. Normalerweise sind die Angaben richtig. Aber wenn Sie Probleme haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass einige dieser Meldungen nicht die wahre Konfiguration der Hardware angeben (und das kann man auch nicht erwarten); siehe I/O-Adresse und IRQ: Meldungen beim Booten.

4.2 Häufige Fehler bei der Low-Level-Konfiguration

Hier ist eine Auflistung von häufigen Fehlern:

setserial-Befehl

Er wird aufgerufen (ohne die Option »autoconfig«) und es wird angenommen, dass dabei die Werte aus der Hardware gelesen wurden, was aber nicht der Fall ist.

setserial-Meldungen

Man geht fälschlicherweise davon aus, dass die beim Booten angzeigten Meldungen angeben, wie die Hardware wirklich konfiguriert ist.

/proc/interrupts

Wenn der serielle Port nicht verwendet wird, werden seine Interrupts hier nicht angezeigt, und fälschlicherweise wird angenommen, dass der serielle Port nicht gefunden werden kann (oder kein IRQ eingestellt ist).

/proc/ioports

Es wird häufig angenommen, dass hier die Hardware-Konfiguration angezeigt wird, während in Wirklichkeit etwa die gleichen, eventuell fehlerhaften Informationen angezeigt werden wie beim setserial-Befehl.

4.3 I/O-Adressen und IRQ: Meldungen beim Booten

In vielen Fällen wird während des Bootens eine automatische aber nicht immer richtige Low-Level-Konfiguration der seriellen Ports durchgeführt. Die Meldungen, die beim Booten auf den Bildschirm geschrieben werden, geben darüber Aufschluss. Vernachlässigen Sie auch nicht die BIOS-Meldungen; sie erscheinen noch bevor Linux geladen wird. Meldungen, die nicht mehr auf dem Bildschirm sichtbar sind, können Sie mit der Tastenkombination »Shift-Bild-nach-oben« wieder zurückholen. Der Befehl dmesg kann verwendet werden, um jederzeit die Boot-Meldungen anzuzeigen, häufig erscheinen aber wichtige Meldungen nicht. Das Folgende ist ein Beispiel der Boot-Meldungen (Stand: Mitte 1999). Beachten Sie, dass »ttyS00« das selbe bedeutet wie /dev/ttyS0.

Zunächst sehen Sie, was von Linux erkannt wurde; aber der IRQ ist nur geraten:

Serial driver version 4.27 with no serial options enabled
ttyS00 at 0x03f8 (irq = 4) is a 16550A
ttyS01 at 0x02f8 (irq = 3) is a 16550A
ttyS02 at 0x03e8 (irq = 4) is a 16550A

Etwas später können Sie sehen, welche Werte abgespeichert wurden, aber sie sind ebenfalls nicht unbedingt richtig:

Loading the saved-state of the serial devices...
/dev/ttyS0 at 0x03f8 (irq = 4) is a 16550A
/dev/ttyS1 at 0x02f8 (irq = 3) is a 16550A
/dev/ttyS2 at 0x03e8 (irq = 5) is a 16550A

Beachten Sie, dass es hier einen Widerspruch gibt: die erste Meldung zeigt für ttyS2 den IRQ=4 an, während die zweite Meldung für diesen Wert IRQ=5 ausgibt. Vielleicht sehen Sie nur die erste Meldung. Meistens ist die letzte Meldung die richtige. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, kann dies sehr verwirrend sein. Bevor Sie die detaillierten Erklärungen im Rest dieses Abschnittes durcharbeiten, ist es vielleicht das Beste, Sie probieren Ihren seriellen Port einfach aus. Wenn alles funktioniert, ist es nicht unbedingt notwendig, hier weiterzulesen.

Die zweite Meldung ist die Ausgabe des setserial-Befehls, der beim Booten ausgeführt wird. Sie zeigt an, was der Gerätetreiber für die korrekte Konfiguration hält. Aber auch dies kann falsch sein. Z.B. könnte IRQ=8 in der Hardware eingestellt sein (in diesem Fall sind beide Meldungen falsch). Der IRQ=5 wird angezeigt, weil irgend jemand fälschlicherweise diesen Wert in einer Konfigurationsdatei (o.ä.) angegeben hat. Die Tatsache, dass Linux manchmal von falschen Werten für den IRQ ausgeht liegt darin begründet, dass Linux diese IRQs nicht ausprobiert. Linux geht einfach von den Standardwerten aus (erste Meldung) oder akzeptiert die Werte, die Sie während der Konfiguration angegeben haben (zweite Meldung). Keiner der beiden Angaben ist notwendigerweise richtig. Wenn der serielle Gerätetreiber mit einem falschen IRQ arbeitet, ist der serielle Port sehr langsam oder funktioniert evtl. überhaupt nicht.

Die erste Meldung ist das Ergebnis des Versuchs, die seriellen Ports anzusprechen. Wenn hier ein Port auftaucht, heißt das, dass er existiert, aber der angegebene IRQ kann falsch sein. Linux überprüft IRQs nicht, weil das nicht sehr sicher ist, sondern geht einfach von den Standardwerten aus. Sie können sie mit dem setserial-Befehl und der autoconfig-Option manuell prüfen, aber auch hier gibt es keine Garantie für die Richtigkeit der Werte.

Die Hardwareeinstellung wird durch die als erstes sichtbaren BIOS-Meldungen angezeigt. Wenn Sie über einen seriellen PnP-Port verfügen, ist es möglich, dass das Programm isapnp aufgerufen wird und diese Einstellungen geändert werden. Beachten Sie hierzu die Meldungen, nachdem Linux gestartet wurde. Die letzte Meldung des seriellen Ports im obigen Beispiel sollte mit den BIOS-Meldungen übereinstimmen. Wenn dies nicht der Fall ist, dann müssen Sie entweder die Hardware-Einstellungen ändern, oder Sie verwenden setserial, um dem Treiber die tatsächliche Hardwareeinstellung mitzuteilen.

Wenn Sie serielle PnP-Ports verwenden, wird Linux ausserdem diese Ports nicht finden, solange der IRQ und die I/O-Adresse der Hardware nicht durch die PnP-Software eingestellt wurden. Dies ist häufig der Grund, dass die Meldungen beim Start keinen existierenden seriellen Port anzeigen. Eventuell kann die PC Hardware (ein PnP BIOS) diese Low-Level-Konfiguration automatisch vornehmen. Das Vorgehen für die PnP-Konfiguration wird später erklärt.

4.4 Wie ist die richtige I/O-Adresse und der richtige IRQ für meinen seriellen Port?

Der letzte Abschnitt zeigte, wie man diese Informationen ermitteln kann, indem man die Meldungen beim Start des Systems auswertet. Eine andere Überschrift für diesen Abschnitt könnte auch heißen: »Andere Wege, um die I/O-Adresse und den IRQ herauszufinden«. Falls Ihnen die Meldungen beim Start ausreichend Information liefern, brauchen Sie diesen Abschnitt nicht unbedingt zu lesen.

Es gibt zwei mögliche Antworten auf die Frage »Wie ist die richtige I/O-Adresse und der richtige IRQ für meinen seriellen Port?«:

Beide Werte sollten übereinstimmen. Wenn Sie Schwierigkeiten haben (eingeschlossen Kommunikationsprogramme, die nicht kommunizieren können), kann dies bedeuten, dass diese beiden Einstellungen nicht übereinstimmen. Dies heißt mit anderen Worten, dass der Treiber falsche Informationen über die physikalisch vorhandene Hardware hat. Wenn der Gerätetreiber von einer falschen I/O-Adresse ausgeht, wird er versuchen, Daten an einen nicht vorhandenen seriellen Port zu senden, oder gar an ein anderes Gerät als an einen seriellen Port. Wenn die Treibersoftware auf einen falschen IRQ hört, wird sie keine Unterbrechungsanforderungen vom seriellen Port empfangen, was zu einem Überlauf des Buffers im seriellen Port und zu sehr langen Antwortzeiten führen kann (siehe auch Text erscheint auf dem Bildschirm erst nach langen Verzögerungen. Falls der Treiber von einem anderen als dem installierten UART Typ ausgeht, können sich ebenfalls Probleme ergeben. Um festzustellen, ob beide I/O-IRQ Wertepaare identisch sind, müssen Sie Antworten auf die Fragen der nächsten beiden Abschnitte finden.

Von welchen Werten geht der Gerätetreiber aus?

Das ist leicht herauszufinden. Sehen Sie sich einfach die Meldungen beim Systemstart an oder verwenden Sie folgenden Befehl:

setserial -g /dev/ttyS*

Wenn alles funktioniert, stimmen die so ermittelten Werte höchstwahrscheinlich mit den in der Hardware konfigurierten Werten überein. Es gibt auch einige andere Möglichkeiten, diese Informationen zu erhalten, indem Sie sich bestimmte »Dateien« im /proc-Verzeichnis ansehen. Wichtig ist es aber, immer daran zu denken, dass nur die Werte angezeigt werden, von denen der Gerätetreiber ausgeht. Manche sehen sich bestimmte Dateien im /proc-Verzeichnis an und denken, dass das, was sie sehen, auch in der Hardware eingestellt ist, dies muss aber nicht notwendigerweise so sein.

/proc/ioports zeigt die I/O-Adressen, die die Treiber verwenden. /proc/interrupts zeigt die IRQs, die von Treibern laufender Prozesse (welche eine Gerätedatei geöffnet haben) verwendet werden. Beachten Sie, dass Sie in beiden o.g. Fällen nur sehen, was der Treiber denkt, und nicht unbedingt, was wirklich in der Hardware eingestellt ist. /proc/interrupts zeigt auch, wie oft die Interrupts für ein bestimmtes Gerät bereits ausgelöst wurden (häufig viele tausend Male). Dies kann Hinweise zur Fehlersuche geben, denn wenn Sie eine große Zahl von bereits ausgelösten Interrupts sehen, bedeutet dies, dass es irgendwo auch Hardware gibt, welche diesen Interrupt verwendet. Wenn nur einige wenige Interrupts angezeigt werden, bedeutet das nicht, dass diese Interrupts wirklich durch einen seriellen Port erzeugt wurden. Wenn Sie also fast keine Interrupts für einen Port feststellen, den Sie versuchen zu verwenden, könnte dieser Interrupt nicht auf der Hardware eingestellt sein und dies bedeutet, dass der Treiber einen falschen Interrupt verwendet. Um sich den Inhalt von /proc/interrupts anzusehen, während ein Programm läuft, das die zu überprüfenden Interrupts verwendet (wie z.B. minicom), sollten Sie versuchen, eine Shell auszuführen, ohne das Programm zu verlassen (z.B. auf einer anderen virtuellen Konsole oder in einem zweiten xterm-Fenster).

Wie ist die Hardware des seriellen Ports eingestellt?

Wie können Sie herausfinden, auf welche I/O-Adressen und auf welchen IRQ die Hardware tatsächlich eingestellt sind? Vielleicht erhalten Sie aus den BIOS Meldungen einige Information, bevor Linux startet. Verwenden Sie die »Shift-PageUp«-Taste, um rückwärts durch die Meldungen zu blättern, und sehen sie sich die allerersten Meldungen an, die vom BIOS stammen, als Linux noch nicht gestartet war. Die Werte können durch setserial nicht verändert werden, wohl aber durch isapnp oder durch »pciutils«.

Eine ziemlich grobe Methode besteht darin, setserial mit der »autoconfig«-Option zu verwenden und eine angenommene Adresse einfach auszuprobieren (siehe Was ist setserial?). Bei einem seriellen PCI-Port können Sie sich den Inhalt von /proc/pci oder /proc/bus/pci/devices ansehen. Falls Ihr seriellen Port ein Plug-and-Play Port ist, finden Sie weitere Informationen in den nächsten beiden Unterabschnitten.

Verfügt der Port über Jumper, gibt die Stellung der Jumper die Konfiguration wieder. Wenn es sich nicht um einen PnP-Port handelt, der Port aber durch ein DOS-Programm konfiguriert wurde, dann sind die Einstellungen wirksam, die mit diesem Programm gesetzt wurden.

Wie ist meine PnP Hardware eingestellt?

PnP Ports speichern ihre Einstellungen nicht innerhalb der Hardware, wenn der Rechner abgeschaltet wird. Ports mit Jumpern verhalten sich genau entgegengesetzt, denn hier bleiben die Einstellungen auch im abgeschalteten Zustand erhalten. Ein ISA PnP-Port kann sich in einem Zustand befinden, in dem er überhaupt keine I/O-Adresse oder IRQ hat und daher deaktiviert ist. Es sollte jedoch immer noch möglich sein, den Port mithilfe des Programms pnpdump (Teil der isapnptools) zu finden. Wenn Sie die Option »--dumpregs« verwenden, sollte die tatsächliche I/O-Adresse und IRQ, die im Port eingestellt sind, angezeigt werden.

Bei PnP Ports macht es nicht viel Sinn, nachzusehen, wie sie unter DOS/Windows konfiguriert sind. Windows speichert die Konfiguration in der Registry, die von Linux nicht verwendet wird. Falls Sie vom PnP BIOS die Konfiguration automatisch erstellen lassen, wenn Sie Linux starten (und dabei im BIOS eingestellt haben, dass Sie kein PnP Betriebssystem haben), dann sollte Linux die Konfiguration verwenden, die im nicht flüchtigen BIOS Speicher enthalten ist.

4.5 Die Wahl des seriellen IRQs

Wenn Sie echtes PnP verwenden, wobei entweder das Betriebssystem oder ein PnP BIOS alle Geräte konfiguriert, brauchen Sie keine IRQs einzustellen. PnP stellt die optimalen Einstellungen fest und weist diese Werte zu. Aber wenn Sie Linux-Werkzeuge für PnP verwenden (isapnp und pcitools), dann müssen Sie explizit Werte auswählen. Wenn Sie bereits wissen, welchen IRQ sie verwenden möchten, können Sie diesen Abschnitt überspringen, es sei denn, Sie möchten wissen, dass der IRQ 0 eine besondere Bedeutung hat.

IRQ 0 ist kein IRQ

Während der IRQ 0 dem Hardware Timer zugeordnet ist, hat dieser Wert für den seriellen Port eine spezielle Bedeutung, wenn er mit setserial eingestellt wird. Damit wird dem Treiber mitgeteilt, dass es keinen Interrupt für den Port gibt und der Treiber wird Polling verwenden, d.h. den Port selbständig in regelmäßigen Zeitabschnitten nach neuen Daten abfragen. Das ist nicht sehr effizient, kann aber verwendet werden, wenn es einen Interrupt-Konflikt oder einen falsch eingestellten Interrupt gibt. Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, dass Sie nicht zu wissen brauchen, auf welchen Interrupt die Hardware eingestellt ist. Sie sollte nur als Notlösung verwendet werden, bis Sie einen richtigen Interrupt gefunden haben, den Sie verwenden können.

Gemeinsame Verwendung von Interrupts ab Kernel 2.2

Im allgemeinen gilt, dass jedes Gerät seinen eigenen IRQ verwenden sollte, eine gemeinsame Nutzung sollte vermieden werden. In einigen Fällen ist dies aber erlaubt, z.B. bei Verwendung der meisten Multi-Port Karten. Aber selbst wenn dies möglich ist, ist es nicht sehr effizient, denn jedesmal, wenn ein gemeinsam verwendeter Interrupt auftritt, muss zunächst festgestellt werden, welches Gerät ihn ausgelöst hat. Falls möglich, sollte also jedem Gerät ein eigener Interrupt zugeordnet werden.

Bei älteren Kernelversionen konnten serielle IRQs nur bei den meisten Multi-Port Karten gemeinsam genutzt werden. Ab der Kernelversion 2.2 können serielle IRQs in manchen Fällen auch gemeinsam von allen seriellen Ports verwendet werden. Damit die gemeinsame Nutzung funktioniert, muss der Kernel mit der Option »CONFIG_SERIAL_SHARE_IRQ« übersetzt worden sein, und die Hardware der seriellen Ports muss die gemeinsame Nutzung unterstützen. Selbst wenn Sie also einen Kernel ab Version 2.2 einsetzen, ist es das Beste, gemeinsam verwendete Interrupts zu vermeiden.

Welchen Interrupt soll man wählen?

Die Hardware der seriellen Ports läßt sich häufig nur auf eine kleine Auswahl von möglichen IRQs einstellen. IRQ Konflikte sollen auf jeden Fall vermieden werden. Ihr PC wird üblicherweise so eingestellt sein, dass ttyS0 und ttyS2 auf IRQ 4 und ttyS1 und ttyS3 auf IRQ 3 liegen. Ein Blick in /proc/interrupts zeigt, welche IRQs von den gerade laufenden Programmen verwendet werden. Sie werden wahrscheinlich keinen dieser IRQs verwenden wollen. Bevor IRQ 5 für Soundkarten genutzt wurde, wurde er oft für serielle Ports verwendet.

Das folgende Beispiel zeigt, wie Greg (Autor des Serial HOWTO) die Interrupts in /etc/rc.d/rc.serial gewählt hat. rc.serial ist ein Shellskript, das beim Start aufgerufen wird (es kann evtl. auch einen anderen Namen haben oder in einem anderen Verzeichnis stehen). Bei neueren setserial-Versionen (ab 2.15) werden die IRQs nicht mehr auf diese Art eingestellt, aber dieses Beispiel soll die Wahl der IRQs zeigen:

/sbin/setserial /dev/ttyS0 irq 3        # serielle Maus
/sbin/setserial /dev/ttyS1 irq 4        # Wyse Terminal
/sbin/setserial /dev/ttyS2 irq 5        # Zoom Modem 
/sbin/setserial /dev/ttyS3 irq 9        # USR Modem

Standard IRQ Zuordnungen:

IRQ  0    Systemtaktgeber
IRQ  1    Tastatur
IRQ  2    programmierbarer Interrupt Controller
IRQ  3    serielle Schnittstelle ttyS1
IRQ  4    serielle Schnittstelle ttyS0
IRQ  5    Soundkarte oder paralleler Druckerport 2
IRQ  6    Diskettenlaufwerk
IRQ  7    paralleler Druckerport 1
IRQ  8    Echtzeitsystemuhr
IRQ  9    löst IRQ 2 aus
IRQ 10    frei 
IRQ 11    frei
IRQ 12    PS/2 Mausanschluss
IRQ 13    mathematischer Koprozessor
IRQ 14    primärer IDE Kanal
IRQ 15    sekundärer IDE Kanal

Die Lösung für die Auswahl der IRQs gibt es nicht. Aber Sie sollten sicherstellen, dass der serielle IRQ nicht von der Hauptplatine oder anderen Karten verwendet wird. Die IRQs 2, 3, 4, 5, 7, 10, 11, 12 oder 15 sind mögliche Kandidaten. Beachten Sie, dass IRQ 2 und IRQ 9 identisch sind. Sie können diesen Interrupt 2 oder 9 nennen, der serielle Gerätetreiber versteht beide Namen. Wenn Sie eine sehr alte serielle Karte einsetzen, kann es sein, dass Sie IRQs ab 8 nicht verwenden können.

Die IRQs 1, 6, 8, 13 oder 14 sollten Sie niemals verwenden. Diese IRQs werden von der Hauptplatine verwendet. Nach Abschluss der Konfiguration sollten Sie /proc/interrupts überprüfen, während die Programme aktiv sind, die die Interrupts nutzen. So können Sie Konflikte erkennen.

4.6 Die Wahl der Adressen - Grafikkarten-Konflikte mit ttyS3

Die I/O-Adresse der Grafikkarte »IBM 8514« (und ähnliche) ist angeblich 0x?2e8, wobei ? für 2, 4, 8 oder 9 steht. Dies kann mit der I/O-Adresse von ttyS3, 0x02e8, Konflikte ergeben, falls der serielle Port die führende Null der hexadezimalen Adresse ignoriert; dies sollte eigentlich nicht so sein, kommt aber häufig vor. Wenn Sie versuchen, ttyS3 mit dieser I/O-Adresse zu betreiben, könnte es also Schwierigkeiten geben.

Falls möglich, sollten Sie Standard-Adressen verwenden. Die Adressangabe bezeichnet die erste Adresse eines 8 Bit langen Bereichs. Z.B. bedeutet 3f8 in Wirklichkeit den Bereich 3f8-3ff. Jedes serielle Gerät (und ebenso andere Gerätetypen, die I/O-Adressen verwenden) benötigt seinen eigenen eindeutigen Adressbereich. Es sollten keine Überlappungen existieren. Dies sind die Standardadressen für die serielle Schnittstelle:

ttyS0 Adresse 0x3f8     
ttyS1 Adresse 0x2f8     
ttyS2 Adresse 0x3e8     
ttyS3 Adresse 0x2e8     

4.7 Hardwarekonfiguration von I/O-Adressen und IRQs (i.a. für PnP)

Vergessen Sie nicht, auch den Gerätetreiber mithilfe von setserial auf die entsprechenden Werte einzustellen, nachdem Sie die Hardware fertig konfiguriert haben. Bei normalen seriellen Schnittstellen (kein PnP) werden I/O-Adressen und IRQs entweder direkt auf der Karte durch kleine Steckbrücken, sog. Jumper, oder mithilfe eines DOS-Programms eingestellt. Der Rest dieses Abschnitts behandelt nur serielle PnP Ports. Hier ist eine Liste der Möglichkeiten, um serielle PnP Ports zu konfigurieren:

I/O-Adressen und IRQs müssen durch PnP bei jedem Systemstart in den Hardware-Registern eingetragen werden, da PnP Hardware sich die Werte nicht selbständig merkt, wenn das System abgeschaltet wird. Eine einfache Möglichkeit, dies zu erreichen, ist, in einem PnP BIOS einzustellen, dass Sie nicht mit einem PnP Betriebssystem arbeiten. Das BIOS wird dann automatisch bei jedem Start die richtigen Werte einstellen. Dies kann aber Probleme mit Windows verursachen (Windows ist ein PnP Betriebssystem), wenn Windows unter einem BIOS gestartet wird, das davon ausgeht, dass Windows kein PnP Betriebssystem ist. Weitere Informationen hierüber finden Sie im Plug-and-Play HOWTO.

PnP wurde entwickelt, um die I/O-IRQ Konfiguration zu automatisieren, aber die Arbeit mit Linux wird damit (zumindest nach dem gegenwärtigen Stand der Entwicklung) nicht einfacher. Die Standard-Kernels für Linux unterstützen PnP nicht besonders gut. Wenn Sie einen Patch für den Linux Kernel verwenden, um daraus ein PnP Betriebssystem zu erstellen, dann sollten, wie oben erwähnt, alle Einstellungen vom Betriebssystem vorgenommen werden. (Ein Patch ist ein kleines Programmpaket, welches den Quellcode vor dem Compilieren modifiziert, um Fehler zu beseitigen oder neue Funktionalitäten zu ermöglichen.) Aber wenn Sie andere Geräte als die serielle Schnittstelle auf diese Weise konfigurieren möchten, werden Sie feststellen, dass Sie manche Gerätetreiber dennoch von Hand konfigurieren müssen, weil viele Treiber nicht für ein PnP Linux geschrieben wurden. Wenn Sie isapnptools oder das BIOS verwenden, um eine PnP Konfiguration durchzuführen, werden dadurch nur die beiden Werte in die Hardware-Register des seriellen Ports eingetragen, und wahrscheinlich werden Sie dennoch setserial verwenden müssen. Nichts davon ist einfach oder gut dokumentiert (Stand: Anfang 1999). Weitere Informationen finden Sie im Plug-and-Play HOWTO und in den FAQs zu den isapnptools.

Verwendung eines PnP BIOS zur I/O-IRQ Konfiguration

Während die Verwendung eines PnP Betriebssystems oder der isapnptools in der mitgelieferten Dokumentation erläutert wird, ist dies nicht der Fall, wenn Sie ein PnP BIOS zur Konfiguration verwenden möchten. Nicht alle PnP BIOS Versionen unterstützen dies vollständig. Das BIOS bietet normalerweise ein Menü, um die ersten beiden seriellen Schnittstellen im CMOS zu konfigurieren. Häufig sind die Einstellmöglichkeiten sehr begrenzt. Wenn in den Menüs nichts anderes angeboten wird, werden die ersten beiden seriellen Ports lediglich auf die Standard I/O-Adressen und IRQs eingestellt (siehe Namen und Nummern von Devices am seriellen Port ).

Ob Sie es nun mögen oder nicht, ein PnP BIOS wird die PnP-Konfiguration (I/O-IRQ) der Hardware beim Einschalten des PC durchführen. Dies wird vielleicht nur zum Teil erledigt, und der Rest muss vom PnP Betriebssystem erledigt werden (das Sie vielleicht nicht haben). Oder das BIOS geht davon aus, dass Sie kein PnP Betriebssystem haben; in diesem Fall werden alle PnP Geräte vollständig konfiguriert, nicht jedoch die Gerätetreiber. Das ist, was Sie wollen, aber es ist nicht immer einfach herauszufinden, was genau das PnP BIOS getan hat.

Wenn Sie im BIOS einstellen, dass Sie kein PnP Betriebssystem verwenden, sollte das PnP BIOS alle seriellen PnP Ports konfigurieren, und nicht nur die ersten beiden. Wenn Sie MS Windows 9x auf dem selben PC installiert haben, könnte es möglich sein, dass das BIOS die I/O-IRQ Werte im nicht-flüchtigen Speicher gesichert hat, die für den Betrieb von MS Windows benötigt werden. Wenn Sie gerade die aktuelleste Version dieses HOWTOs lesen, lassen Sie mich wissen, ob Windows die Werte dort abspeichert. Falls ja, werden vom BIOS die gleichen Werte auch für Linux verwendet. Wenn Sie herausfinden, welche Werte von Windows gewählt wurden, sollten sie auch für Linux gültig sein.

Wenn Sie eine neue PnP Steckkarte einbauen, sollte das BIOS seine PnP Konfiguration entsprechend anpassen. Es kann sogar nötigenfalls die I/O-IRQ Zuordnungen der exisitierenden Geräte ändern, um Konflikte zu vermeiden. Zu diesem Zweck verwaltet das BIOS eine Liste der nicht-PnP Geräte und ihrer jeweiligen Konfiguration. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Sie im BIOS eingestellt haben, wie diese nicht-PnP Geräte konfiguriert sind. Eine Möglichkeit, dies im BIOS einzustellen ist z.B. die Verwendung des Programms ICU unter DOS/Windows.

Aber wie können Sie herausfinden, was das BIOS genau getan hat, so dass Sie den Gerätetreiber entsprechend konfigurieren können? Das BIOS selbst kann einige Informationen hierzu bereitstellen, entweder in den Einstellungsmenüs oder durch Bildschirmmeldungen beim Start des Rechners, siehe auch Wie ist die Hardware des seriellen Ports eingestellt?

4.8 Verwendung von setserial mit den richtigen Werten

Wenn die richtigen Werte für I/O-Adresse und IRQ auf der Hardware eingestellt sind, müssen Sie auch sicherstellen, dass der setserial-Befehl bei jedem Systemstart aufgerufen wird. Siehe Systemstart-Konfiguration.

4.9 Weitere Einstellungen

Hardware Flusskontrolle (RTS/CTS)

Dieser Begriff wird im Abschnitt Flusskontrolle näher erläutert. Falls möglich, sollten Sie immer Hardware Flusskontrolle verwenden. Das Kommunikationsprogramm oder getty sollte eine Möglichkeit anbieten, Hardware Flusskontrolle einzustellen (und wenn Sie Glück haben, ist dies die Standardeinstellung). Dies muss sowohl im Modem (durch einen Initialisierungs-String oder standardmäßig) als auch im Gerätetreiber eingestellt sein. Ihr Kommunikationsprogramm sollte beides richtig behandeln.

Sollte dies nicht der Fall sein, müssen Sie die Hardware Flusskontrolle selbst einstellen. Beim Modem sollten Sie sicherstellen, dass diese Option entweder durch einen Initialisierungs-String oder standardmäßig aktiviert wird. Wenn Sie den Gerätetreiber entsprechend konfigurieren wollen, sollte dies am besten durch eine Datei durchgeführt werden, die beim Booten ausgeführt wird. Siehe hierzu Systemstart-Konfiguration . Sie müssen für jeden seriellen Port, für den die Hardware Flusskontrolle eingeschaltet werden soll, folgende Zeile einfügen:

stty crtscts < /dev/ttyS2

Wenn Sie überprüfen wollen, ob die Flusskontrolle eingeschaltet ist, können Sie dies wie folgt tun: In einem Terminalprogramm wie minicom oder ähnlichen geben Sie »AT&V« ein, um zu sehen, wie das Modem konfiguriert ist. Suchen Sie nach »&K3«, dies bedeutet Flusskontrolle. Dann überprüfen Sie, ob der Gerätetreiber richtig eingestellt ist, indem Sie

stty -a < /dev/ttyS2

eingeben. Suchen Sie in der Ausgabe nach »crtscts« (ohne ein führendes Minuszeichen, dies würde bedeuten, dass die Flusskontrolle ausgeschaltet ist).


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